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Nachruf Jochen Mehlich

Am 10. Dezember 1999 traf die Stiftung mit dem Tod des Beiratsmitgliedes Herrn Jochen Mehlich ein großer Verlust. Von 1996 bis zu seinem Tod gehörte Herr Mehlich dem Beirat der Stiftung an. Geschäftsführer und Vorstand hatten ihn gemeinsam in dieses Amt berufen. Beide kannten Herrn Mehlich aus seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Philippinenbüros e.V. in Essen in den Jahren 1992 bis 1995. Von 1991 bis 1992 hielt sich Herr Mehlich im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes zu dem Thema Nichtregierungsorganisationen als politisch - ökonomische Interessengruppen im philippinischen Entwicklungsprozeß in den Philippinen auf; 1990 verfaßte er seine Diplomarbeit zu dem deutschen, auf der 120 Kilometer südöstlich von Manila gelegenen Halbinsel Bondoc gelegenen Entwicklungshilfeprojekt. Dieses Projekt besuchte Herr Mehlich auch persönlich. Von 1984 bis 1996 nahm er aktiv an der entwicklungspolitischen Solidaritätsarbeit zu den Philippinen teil. Aufgrund dieser reichen Erfahrungen in und mit den Philippinen konnte sich Herr Mehlich in vielfältiger und bereichernder Weise in die Stiftungsarbeit einbringen. Alle wichtigen Entscheidungen und Entwicklungen wurden mit ihm besprochen. Er verwirklichte dabei im besten Sinne das entwicklungspolitische Credo der Stiftung, daß in jeder Phase einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit an den Aufbau einer sogenannten second line gedacht werden muß. Jochen Mehlich wurde diesem Credo voll gerecht: Zu jedem Zeitpunkt war er bereit, für die Stiftung und die Verwirklichung ihrer Ziele in die Presche zu springen und sich gleichermaßen auch wieder zurückzunehmen; damit trug er dazu bei, die so notwendige Konstanz in der Stiftungsarbeit zu gewährleisten. Das, was der Stiftung in den langen Jahren der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Lernprozesses mit der philippinischen Projektpartnerin und Menschenrechtsanwältin Solema Jubilan in Kidapawan / Mindanao nicht gelungen war, nämlich zu erreichen, daß sie sich ersetzbar gemacht hätte, war für ihn selbstverständlich und ergab sich für ihn aus seiner persönlichen Bescheidenheit. Herr Mehlich wollte zu jedem Zeitpunkt nur und ausschließlich der Sache dienen. Sein Tod bedeutet einen großen Verlust für uns alle. Die Stiftung hat ihm viel zu verdanken.

Schon frühzeitig kündigte sich seine Krankheit an, was ihn dazu bewog, seinen Geschäftsführerposten bei dem Philippinenbüro in Essen 1995 aufzugeben  und mit seiner Familie nach Paderborn, in die Nähe seiner Eltern zu ziehen. Es war dies eine Zeit der inneren  Verunsicherung für Herrn Mehlich, da es zu diesem Zeitpunkt nicht klar war, ob er aufgrund seiner gesundheitlichen und beruflichen Situation überhaupt noch in der Lage sein würde, sich weiterhin der Philippinen- und damit auch der Stiftungsarbeit widmen zu können; glücklicherweise war ihm dies damals möglich, so daß er sich zur Mitarbeit in der Stiftung entschloß. Vielleicht haben ihm zu diesem persönlichen Entschluß auch seine ausführlichen Gespräche mit dem Vorstand verholfen, welche seinerzeit anläßlich eines gemeinsamen, zufälligen Krankenhausaufenthaltes in der Universitätsklinik in Köln im Jahre 1995 geführt worden sind.

Im April 1999 besuchte der Vorstand Herrn Jochen Mehlich in der Universitätsklinik in Heidelberg. Zu diesem Zeitpunkt war er schon sehr von der Krankheit und der Angst, die sie in ihm auslöste, bestimmt. Bis zuletzt kämpfte er gegen sie an und versuchte, wie er es sein ganzes Leben über getan hatte, sich mit seiner ganzen Person, mit ganzem Willen und ganzem Körper einzubringen, standzuhalten und präsent zu sein: Zuallererst natürlich für seine Familie - aber auch im Rahmen eines Promotorenprogrammes des Landes Nordrhein-Westfalen als ein unter zahlreichen Bewerbern ausgewählter Promotor mit der ehrgeizigen Aufgabe, die Lokale Agenda 21 in Paderborn umzusetzen und in der Bevölkerung bewußter zu machen. Gleichzeitig unterstützte er damit auch indirekt den Vorstand, der dieses Ziel einer Umsetzung der Lokalen Agenda 21 in sehr viel bescheidenerem Maße in Freiburg zu verwirklichen versuchte. Noch während seines Klinikaufenthaltes in Heidelberg suchte er sofort Kontakt zu den entsprechenden Gruppierungen, um sich mit ihnen auszutauschen und Anregungen zu erhalten, auch wenn ihm dies bereits schwerfiel.

Dieses vorbildliche Handeln Jochen Mehlichs möchte der Vorstand aufgreifen und weiter fortführen, indem er die Arbeit in der Freiburger Lokalen Agenda 21 in seinem Geist verstärkt fortsetzt - ähnlich wie es Heike Blum und Dietmar Henker vom Philippinenbüro e.V. getan haben, als sie die zweite Auflage von Another Look at Germany. A Political Guide for Asian Visitors, Berlin und Köln 2000 - die erste Auflage war noch 1993 von Jochen Mehlich mitverfaßt worden - in Erinnerung an diesen neu herausgegeben haben.